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Freihof sagt Festakt ab


By adminGeschrieben am12 März 2009

Am Gymnasium ist nach Bluttat von Winnenden niemand zum Feiern zumute
 
Das Freihof-Gymnasium wollte heute eigentlich mit einem großen Festakt in
der Stadthalle das 50-jährige Bestehen feiern. Unter dem Eindruck des
Amoklaufs von Winnenden wurde das Fest gestern abgesagt.
 
ARND WOLETZ BENEDIKT WIEDEMANN
Göppingen
 
Den Schülern, Eltern und Lehrern am Göppinger Freihof-Gymnasium ist nicht
nach Feiern zumute. Nach den schrecklichen Nachrichten und Bildern, die
gestern aus Winnenden kamen, hat der Schulleiter Günter Roos am Abend
entschieden, den für heute geplanten Festakt zum 50-jährigen Bestehen in
der Göppinger Stadthalle abzusagen. "Die Betroffenheit in der
Schulgemeinde ist sehr groß", sagte Roos gestern Abend der NWZ. "Die
zeitliche und räumliche Nähe zu den Geschehnissen in Winnenden lasse es
nicht zu, unbeschwert zu feiern". Die Bilder aus den Medien wirken so
stark nach, dass die meisten am Donnerstag nicht in der Lage sein werden,
einen Festakt abzuhalten", erklärte Roos. Deshalb habe er nach vielen
Gesprächen mit Kollegen diese Entscheidung gefällt. Der Schulleiter sagte,
er habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht - vor allem auch
deshalb, weil viele Freihof-Schüler für diesen Abend monatelang geprobt
haben. Deshalb werde die Schule das Fest auch nachholen - wenn auch mit
einem gewissen zeitlichen Abstand zu der schockierenden Tat von gestern.
Es wurden zu dem für heute geplanten Festakt auch viele Ehemalige
erwartet. Schon bei der Einladung zu der Veranstaltung stellte es sich als
nicht ganz einfach heraus, alle zu erreichen. Die Schule zeigte sich aber
einfallsreich - Telefonketten, archivierte Heimatadressen, sogar ein
Internetforum wurde eingerichtet. Deutlich mehr als 100 Gäste von
außerhalb der Schule hatten zugesagt. Sie alle einzeln zu erreichen und
über die Absage zu informieren, war gestern nicht mehr möglich. Deshalb
hofft Roos auf die Medien und darauf, dass sich Gäste gegenseitig vom
verschobenen Festakt benachrichtigen.
Viele einstige Schüler fühlen sich immer noch mit dem "Freihof" verbunden.
Drei bis vier mal im Jahr veranstaltet Günter Roos Führungen für Gruppen
von Ehemaligen.
Die Geschichte des Freihofs beginnt im Jahr 1959. Damals zog das
Hohenstaufen-Gymnasium von der Freihofstraße in den Neubau an der
Hohenstaufenstraße um. Davon wurde ein selbstständiges Gymnasium
abgetrennt, das im alten Gebäude an der Freihofstraße verblieben ist. Den
Namen "Freihof-Gymnasium" erhielt die Schule 1960. Es begann mit zehn
Klassen und zwölf Lehrern, mittlerweile sind es mehr als 30 Klassen und 70
Lehrer.
Seit 1962 als Vollanstalt anerkannt, nahm die Zahl der Schüler im ersten
Jahrzehnt des Bestehens so stark zu, dass in sechs verschiedenen Gebäuden
unterrichtet werden musste, unter anderem im gegenüber liegenden
"Spritzenhaus" - wo noch heute Kunst- und Musikunterricht stattfindet -
und der ehemaligen Landwirtschaftsschule. Von 1971 bis 1998 wurde die
Unterstufe im "Stelzenbau" unterrichtet. 1997 wurde der Erweiterungsbau
eingeweiht, 1999 auch die Umbauarbeiten im Hauptgebäude abgeschlossen. In
den vergangenen Jahren wurde am Freihof-Gymnasium erneut viel Geld in den
Bau einer Mensa und einiger Räume für das Ganztagesangebot investiert.
 
 
Quelle: Südwest Presse vom 12.03.2009